Der Selbsteintritt eines Achtjährigen
Björn Antons vom Ortsverband Jeverland wurde für sein 40-jähriges ehrenamtliches Engagement geehrt
Er ist lieber im Hintergrund und packt an. Doch plötzlich musste er ganz nach vorne. Bei der Fachtagung für Führungskräfte der Johanniter im Bevölkerungsschutz in Weser-Ems wurde Björn Antons vom Ortsverband Jeverland für sein 40-jähriges ehrenamtliches Engagement geehrt. Mehr als 80 Führungskräfte, darunter Verband-, Zug- und Gruppenführende sowie Mitglieder des Regionalvorstandes, gratulierten ihm zu dieser außergewöhnlichen Leistung mit lang anhaltenden Applaus. Der Zeitpunkt war geschickt gewählt. Eigentlich ist Björn Antons nicht Mitglied der Gruppe der Führungskräfte im Bevölkerungsschutz, aber die Verpflegungsgruppe des Ortsverbandes Jeverland hatte den Auftrag die Teilnehmenden des Fachtags mit Essen und Getränken zu versorgen. Natürlich war Björn Antons dabei und hatte sich auch nichts dabei gedacht, als sein Ortsbeauftragter und Gruppenführer Nils Neumann ihn am Samstagmorgen bat, mit ins Plenum zu kommen. Erst als er nach vorne gerufen wurde, ahnte er was kommen würde. „Wir hatten bei Aufräumarbeiten zufällig meinen Antrag auf Mitgliedschaft gefunden“, erzählt er. „Deshalb wusste ich, dass ich seit 40 Jahren dabei bin.“ Dass er beim Fachtag geehrt würde, hätte er jedoch nicht gedacht.
Björn Antons war acht Jahre alt, als er Mitglied bei den Johannitern wurde. „Ich war blaulichtverrückt“, erinnert er sich. Zwei seiner Schulkameraden, Manuel und Dieter, waren bereits in der Johanniter Jugend und nahmen ihn mit zu einem Schautag, bei dem sich Schortenser Vereine vorgestellt haben. Er war so begeistert, dass er spontan Mitglied wurde – ohne seine Eltern zu fragen. „Auf meinem Mitgliedsantrag ist immer noch meine krakelige Unterschrift, die ich als Achtjähriger darunter gesetzt habe.“ Das war im September 1986. Eine Woche später stand plötzlich ein Krankenwagen bei ihm vor der Haustür. Der Krankenwagen war damals das einzige Fahrzeug der Jeverlander Johanniter und wurde auch dazu benutzt, die Kinder zu den Jugendstunden abzuholen. Die damalige Jugendleiterin klingelte bei seinen Eltern und sagte: „Ich wollte den Björn abholen.“ Erst da erfuhren seine Eltern, dass er der Johanniter-Unfall-Hilfe beigetreten war. „Aber sie haben einfach mit den Schultern gezuckt und gesagt: Okay, nehmen Sie ihn man mit.“ Natürlich haben sie anschließend den Beitritt nochmal offiziell mit elternlicher Unterschrift bestätigt. „Aber damals ging das noch so einfach.“
seitdem ist Björn „Teil der Familie“, wie er selber sagt. Er lernte seine langjährige Lebensgefährtin bei den Johannitern kennen und bekam mit ihr zwei Kinder. Natürlich waren auch Justin (24) und Aileen (21) lange bei den Johannitern aktiv, in jüngster Zeit hat das Engagement nachgelassen. „Mein Sohn spielt lieber Fußball und meine Tochter arbeitet inzwischen im Rettungsdienst und hat nicht mehr so viel Zeit“, sagt Björn Antons. Immerhin ist sie offensichtlich auch blaulichtverrückt. Antons hatte selber gemerkt, dass es zeitlich knapp wird als Familienvater in Vollzeitbeschäftigung. Deshalb ließ sein Engagement zwischenzeitlich nach, hörte aber nie auf. „Immer wenn Großeinsätze anstanden hat Jürgen mich angerufen“, erzählt er. Jürgen Szkodowsky war viele Jahre Ortsbeauftragter der Johanniter in Jeverland. Die Wende kam 2013 beim Elbehochwasser. Die Regionalbereitschaft Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe war der einzige noch verbliebene Großverband in Niedersachsen, der noch nicht im Einsatz war. Da die Flutwelle nach Niedersachsen hereindrückte, versetzte das Innenministerium die Regionalbereitschaft in Voralarm. Wieder einmal rief Szkodowsky Björn Antons an, und wieder einmal war Antons sofort zur Stelle – und blieb. Seitdem ist er wieder fester Teil der Helferschaft.
„Björn ist ein überzeugter Johanniter, ein toller Mensch, aber am Ende ist er ein richtig guter Freund“, sagten Nils Neumann und seine Stellvertreterin Sarah Schumacher in der Laudatio vor den versammelten Führungskräften. „Er ist die verlässlichste Person, die ich kenne.“ Im Ortsverband kümmert er sich um alles, was so anfällt. Er repariert Sachen, packt beim Umbau mit an, kümmert sich um die Fahrzeuge, hilft bei Sanitätsdiensten und in der Verpflegungsgruppe. Sein Lohn: „Dankbarkeit!“, wie er selber sagt. „Wenn wir uns bei Großeinsätzen wie dem Deichbrand-Festival um die Verpflegung kümmern und die Einsatzkräfte zufrieden sind, freut mich das. Es macht mich glücklich, wenn sich alle wohl fühlen.“ Die Johanniter seien für ihn eine Familie. „Großeinsätze sind für mich Familientreffen. Wenn ich die Kameradinnen und Kameraden der anderen Verbände wiedertreffen, ist das einfach toll.“